Dienstag, 9. Juni 2009

Orgelkonzert

Nachdem es hier schon längere Zeit keine Neuigkeiten zu lesen gabe, möchte ich heute wie schon früher angekündigt auf ein Orgelkonzert von Andreas W. am nächsten Sonntag in Horb hinweisen.

Andreas spielt dabei Werke von Johann Sebastian Bach, Jean Langlais, Felix Mendelssohn-Bartholdy, Samuel Scheidt und Andreas W. (!), darunter auch eine Improvisation über das bekannte Horber Kirchenlied "Gott sorgt für mich". Das komplette Programm findet Ihr in der Rubrik Schulhefte am rechten Rand.

Das Konzert findet statt am 14. Juni 2009 um 18.00 Uhr in der Liebfrauenkirche und wird vom Förderverein Stiftsorgel e.V. veranstaltet. Der Eintritt ist frei, Spenden zugunsten der Renovierung der Stiftsorgel sind natürlich herzlich willkommen, so dass das nächste Konzert von Andreas wieder auf der grossen Orgel in der Stiftskirche stattfinden wird.

Wer also am Sonntag noch nichts vorhat, bekommt hier die Gelegenheit Andreas live zu erleben und dabei auch noch etwas Gutes zu tun. Wäre schön, wenn der eine oder andere aus unserem Jahrgang kommen könnte.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Auch wenn schon mehr als eine Woche dazwischen liegt: Ich mag nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergehen – nach diesen 90 Konzertminuten, die wahrlich mehr als einfach „nur“ ein Konzert waren. All denen, die nicht da sein konnten, sei gesagt: „Ihr habt wirklich etwas verpaßt!“ Gut, viele Leute mögen die Orgel als Instrument nicht. Andere mögen prinzpiell nicht gern in einer Kirche sitzen. Wieder andere kennen weder Samuel Scheidt noch können sie John Sepp Bach ertragen. Ist okay, ist ja gut – aber Scheidt kann man kennenlernen und BACH, den kann „man“ so oder so spielen. „Man“, das ist in dem Fall Andreas Weil. Und er kann.
Das Konzert in der für meine Begriffe gut besetzten „Kappel“ begann mit dem oben erwähnten Herrn Scheidt. Variationen über ein Tanzlied des großen Engländers John Dowland ließen die ganze Farbenpracht der Renaissance buchstäblich vor Augen erscheinen. Die Kunsthistoriker sollen jetzt bitte nicht fachsimpeln, daß Scheidt auch als ein frühbarocker oder mindestens an der Schwelle zu dieser Epoche stehender bezeichnet werden könne. In jedem Fall wurde an diesem Sonntagabend eine scheinbar lange vergangene Zeit urplötzlich quicklebendig, und ich merkte wieder einmal: Die Vergangenheit ist ein Wurzelstock für uns, für unser Wissen, unsere Kultur, unseren Geschmack. Man – in diesem Fall: wir – greife einmal wieder zu Montaigne und überlege beim Lesen, ob diese Zeit wirklich tot sei…
Jean Langlais, fast ein Zeitgenosse, bildete danach einen gelungenen Kontrast. Für meine Ohren gewöhnungsbedürftig, hat Andreas der Orgel Brillanz entlockt, die ich bei den ersten Dissonanzen nicht ahnen konnte. Jean Langlais, den Namen merke ich mir, auf den will ich bei nächster Gelegenheit zurückkommen. Dem folgte der „Altmeister“ JSB, aus dessen Gesamtwerk wir meisterhaft die Fuge über das Magnificat BWV 733 vorgetragen bekamen.
Ein wenig an die „Großen“ Franzosen der Neuromantik wie Jehan Alain, Louis Vierne oder C.-M. Widor meinte ich mich danach erinnert zu fühlen, als Andreas vier Improvisationen über vier Verse des Hymnus Ave Maris Stella hervorzauberte. Als „Nur-Hörer“ könnte man sich schwarz ärgern darüber, daß gute Organisten ihr eigenes Können zu selten zu Papier bringen. Wie gern würde ich diese fantastischen Töne noch einmal und danach gleich wieder hören! Warum nimmt niemand so etwas auf? In Anlehnung an H.-M. Decker-Hauff: des war zom katholisch werda schee. Meine bessere Hälfte, die nun nicht so der Orgel-Fan ist, war von den hier gehörten Klängen (auch der Stimme des Kantors, der vor dem Orgelspiel jeweils die reine Hymnenstrophe in eine mystische Atmosphäre hineinsang) geradezu fasziniert, was wieder einmal beweist, daß Orgel an sich nichts mit dröger Kirchlichkeit zu tun haben muß und manches lange und mühsam gehegtes und gepflegtes Vorurteil durch einen bezaubernden Vortrag sich in Nichts auflösen kann.

Anonym hat gesagt…

Weiter im Programm: Nach einer einfach „nur schönen“ Einlage des Herrn Modersohn-Bertelsmann (frei nach Georgina D. für – ach, Ihr wißt schon…) improvisierte Andreas nach den Regeln der Kunst über das Horber Kirchenlied „Gott sorgt für mich“, das am Ende auch gemeinsam gesungen wurde.
Wir applaudierten brav und gingen ebenso nach Hause – Quatsch! Eigentlich hatte ich am Ende das Gefühl, daß keiner wirklich gehen wollte. Als sich ein strahlender Organist über die Empore nach unten beugte, stand das Publikum auf und verlangte sein Recht auf eine Zugabe, das dann sogleich erfüllt wurde. Ein fröhlich das Herz springen lassendes Stücklein mir unbekannten Ursprungs sollte wohl die Leute zur fröhlichen Auskehr bewegen, was aber wohl ein Trugschluß war, denn jetzt wurde erst recht vehement geklatscht. Unser ehemaliger Mitschüler hat das dann auch gleich gemerkt, eingesehen und mit einer anrührenden Improvisation über „Der Mond ist aufgegangen“ so manches Brillchen beschlagen lassen. Erst dann waren wir innerlich bereit, nicht auf weiterem Genuß zu bestehen, zumindest akustisch. Einige haben sich danach freilich noch anderen Genüssen ergeben, für die der Wirt des Goldenen Adlers verantwortlich zu machen ist – da habe ich sicher etwas versäumt...
Also, Leute: man muß ja gar nicht ein Fan einer bestimmten Kunstrichtung sein: wenn so etwas wie am letzten Sonntag geboten wird, dann lohnt es sich immer, hinzugehen. Es war wirklich ein zauberhafter Abend, und hoffentlich haben wir irgendwann einmal wieder eine solche Gelegenheit – Danke, Andy!!!